Jakobsweg Journal

Caminho de Santiago

2020. Mein Weg.

Pilgerjournal

Hier veröffentliche ich jeden Tag meiner Reise von Porto nach Santiago de Compostela auf dem Caminho Português Costa (8. August 2020 bis 19. August 2020) ein paar Zeilen über meine Reise und Abenteuer. Ich freue mich sehr, wenn ich euch inspirieren kann, diesen Weg auch zu gehen. Ich gehe bereits zum zweiten Mal den Jakobsweg […]

2019. Eine Reise zu mir.

Letztes Jahr bin ich vom 21. Juni 2019 bis 4. August 2019 den Jakobsweg gegangen, besser gesagt den Caminho Português. Dieser Pilgerweg beginnt in Porto und verläuft auf (hauptsächlich zwei unterschiedlichen Wegen) von Porto nach Santiago de Compostela. 120km des Weges sind in Portugal, 120km in Spanien. Eine perfekte Mischung.

Die Wanderung war letztes Jahr mehr als befreiend. Nach jahrelangem Suchen, welcher Weg für mich der Richtige in meinem Leben ist, bin ich dann buchstäblich den richtigen Weg gegangen. Ich würde diese Erfahrung jedem Menschen empfehlen. Man lernt so viel über sich selbst, trifft Menschen, die viel zu erzählen haben und die Natur ist wie Balsam für die Seele.

Auf dem Jakobsweg sagt man: Erst nach dem Caminho beginnt die eigentliche Reise. So war es auch bei mir. Aber nicht in dem Sinne, dass mein eigener Weg plötzlich noch länger oder schwieriger geworden wäre. Nein, man beginnt einfach zu realisieren, was dort passiert ist. Man hat dort nämlich Stück für Stück zu sich selbst gefunden. Und sich selbst anzuerkennen, ist ein unheimlich befreiendes Gefühl, denn die Last, die man mit sich in seinem Leben herumträgt, wirkt nicht mehr so schwer. Man fühlt sich nicht mehr wankelmütig und etwa so, als würde man jede Sekunde umkippen (wegen dieser und jener Sorge), sondern eher so, als ob man Fuß gefasst hätte in der Welt und weiß, wo man hin will und wie man diesen Weg zu gehen hat.

Die Erfahrungen des Jakobsweges haben bei mir lange nachgewirkt und tun es auch noch immer. Gerade auch deshalb, weil ich durch den Weg eine sehr gute Freundin gewonnen habe, mit der ich immer noch Kontakt halte.

Ich habe mich also im letzten Monat (Juni 2020) dafür entschieden, nach diesem turbulenten, von Krisen gespickten Jahr, eine Auszeit zu nehmen: Am 8. August gehts nach Porto und zurück auf den Caminho Português! Diesmal habe ich mich allerdings dazu entschieden, nicht die zentrale Route zu gehen, sondern die Küstenroute. Das hatte ich eigentlich schon letztes Mal geplant, aber durch ein wenig Glück im Unglück kam dann alles anders. Wie sagt man so schön?

Planung ist der Ersatz des Zufalls durch den Irrtum.

Außerdem werde ich diesmal ein Smartphone mitnehmen – was ich jedem nur raten kann, denn die Gassen von Porto sind verflixt und man landet immer wo anders, als man eigentlich wollte! Dennoch war die Erfahrung zwei Wochen lang ohne Handy zu reisen quasi wie – ich traue es kaum mich auszusprechen – Digital Detox.

Diesmal aber mit Smartphone.

„Aber wieso Tristan, war es nicht so schön ohne Handy?“ Ja, wofür also?

Ich habe mich dazu entschlossen ein Pilger-Journal über meine Reise zu starten. Das habe ich letztes Mal auch gemacht, aber nur in Oldschool-Tagebuch-Version. Diesmal wird das Ganze online erscheinen. Jeden Abend werde ich genau das aufschreiben, was ich erlebt habe. Hautnah und ungeschnitten (wie das Motto meines Podcasts). Trotzdem versuche ich zu meinem eigenen Wohle, die Handy-Zeit so gering wie möglich zu halten.

Ich würde mich also riesig freuen, wenn ich dich inspirieren darf. Und ich freue mich noch mehr, wenn du deinen Freunden von meinem Journal erzählst. Vielleicht darf ich ja irgendjemanden inspirieren, der sich bisher noch nicht getraut hat? Es lohnt sich alle Male.

Bis zum 8. August,
Tristan.