Hier veröffentliche ich jeden Tag meiner Reise von Porto nach Santiago de Compostela auf dem Caminho Português Costa (8. August 2020 bis 19. August 2020) ein paar Zeilen über meine Reise und Abenteuer. Ich freue mich sehr, wenn ich euch inspirieren kann, diesen Weg auch zu gehen. Ich gehe bereits zum zweiten Mal den Jakobsweg (Caminho Português), da ich beim ersten Mal viel über mich selbst lernen durfte. Der Weg ist somit zugleich Arbeit an mir selbst und Selbstfindung. Wenn du jemanden kennst, der jemanden kennt, der den Weg auch schon gehen wollte und will, dann lass ihm doch dieses Journal zukommen. Vielleicht darf ich ja den ein oder anderen Menschen inspirieren.

Meine Route wird vrsl. (Portugal) Porto – Vila do Conde – Viana do Castelo – Caminha – Valença / (Spanien) Tui – O Porriño – Redondela – Pontevedra – Caldas de Reis – Santiago de Compostela – (und dann mit dem Bus zurück nach Portugal) Porto

7. August 2020

Es ist der Abend (20:00 Uhr) vor Abflug. Ich habe Seitenstechen. Vor Aufregung? In jedem Fall bin ich gespannt. Es ist ähnlich wie letztes Jahr. Man macht sich alle möglichen Gedanken, was einen erwarten könnte. Aber planen kann man selbst eh nicht. Man kann sich nur gut vorbereiten. Daher werde ich jetzt auch noch fünf Mal meine Packliste durchgehen. Auch wenn ich es nicht verhindern kann, dass das Universum mich immer genau eine essentielle Sache vergessen lässt, hoffe ich, alles Nötige zu haben. Und ich werde nun noch ein wenig meditieren. So richtig schön nichts tun. Das habe ich lange nicht mehr so wirklich. Denn in unserer schnelllebigen Zeit versucht man doch irgendwie alles, um den Lebenslauf zu füllen. Davon nehme ich nun schon mal einen Tag vor Abflug Abstand. Jakobsweg – ich komme.

8. August 2020

Es ist abends, 20 Uhr in Porto. In Deutschland ist es 21 Uhr. In Porto sind 19 Grad, in Düsseldorf sind 32 Grad. Also alles richtig gemacht. Der Schrittzähler zeigt 18.500 Schritte. Bei 30km pro Tag schlägt das Tacho schon mal auf bis zu 40.000-50.000 Schritte. Also, da geht noch einiges mehr. Ich sitze zufrieden im Gewächsgarten der Pilgerherberge und resümiere den Tag.

Heute kam ich mir ein wenig wie der Protagnoist Saitama der Serie One Punch Man vor. Saitama, der unbesiegbare Held der Serie, kommt immer zu spät, um ein Monster/Bösewicht zu besiegen, schafft es aber immer noch gerade eben die Welt zu retten. Alle anderen haben bravourös versagt. Und Saitama siegt mit nur einem einzigen Schlag.

Das trifft es bei mir ziemlich gut. Ich weiß genau, dass mein Urlaubsanfang immer das Schwerste ist. Und so auch dieses Mal. Mein Zug war zu spät, aber ich kam gerade noch rechtzeitig am Flughafen an. Natürlich war der Flug auch zu spät. Die Busfahrerin, die uns vom Flughafen in die Innenstadt von Porto bringen sollte, nahm nur Kleingeld an. Ich sprintete rein und kaufte mir eine Cola. Als ich wieder rauskam, fährt sie gerade weg. Halbe Stunde später: Der Busfahrer nahm doch Scheine an. Vielen Dank. Und zu guter letzt merkte ich: Die Herberge, die ich online reserviert habe, war die, die letztes Jahr überfüllt war und bei der ich keinen Platz mehr bekommen habe, wodurch ich ein 85€ teurer Hotel nehmen musste, weil um die Uhrzeit nichts anderes aufhatte. Wie witzig. Das hilft meinem verlorenen Geld zwar auch nicht mehr… aber immerhin läuft es wie bei Saitama: Mit einigen Verlusten bin ich am Ende des ersten Tages wohlbehalten angekommen und habe zumindest die ersten Übel abgewendet.

Auch, wenn mir der Tag super lang vorkam und ich nun sehr erschöpft bin, so haben einige Ereignisse mir den Tag verbessert. Darunter das Glücksgefühl im Urlaub zu sein, die Alltagssorgen hinter sich zu lassen und die freundlichen Menschen aus Portugal zu sehen. 🇵🇹

Aber auch hier merkt man, dass die Corona-Stimmung angekommen ist. Die Menschen wirken misstrauischer als letztes Jahr. Und dennoch sind sie fantastische Gastgeber. Sogar die Besten, die es auf der Welt geben soll, laut Raimund Joos, Pilgerführer und Reisebuchautor. Das Stichwort lautet: Saudade.

Nachdem ich in der Herberge eingecheckt habe (einer der Schönsten, ich der ich je war!) und mich ein bisschen in Porto umgesehen habe, mache ich es mir gemütlich und versuche zu entspannen. Dabei bekomme ich allerdings eine Situation von diesem Tag nicht aus dem Kopf. Die Krönung des Tages war heute mal ein Deutscher.

Ich sitze im Zug. Ein Ehepaar kommt mit Fahrrädern herein.

Der Ehemann fragt lauthals:

„Fährt dieser Zug nach Linz?“

Ein Mitfahrer antwortet:

„Dieser Zug fährt nach Rechts.“

„Also fährt er nicht nach Linz?“

„Der Zug fährt nach Koblenz.“

„Liegt das denn auf dem Weg?“

Ehefrau sichtlich genervt:

„Ja, auf unserem Plan steht, dass Linz in Richtung Koblenz liegt.“

Ehemann: „Aber der Zug fährt doch nach rechts!“

Mitfahrer: „Alle Züge fahren nach rechts.“

Ehemann: „Okay also sind wir hier falsch.“

20 Sekunden später.

Das Ehepaar kommt wieder herein.

Ehemann: „Wir müssen doch nach Koblenz.“

Ehefrau (»Genervt bis zum geht nicht mehr«): „Ich habs dir doch gesagt!“

Ehemann: „Tut mir leid, ich hab es nicht gesehen. Ich dachte wir müssen nach Linz.“

Und das ging knapp 10 Minuten in der Manier. Nach der Geschichte will ich echt gerne Mal nach Linz und wissen, was es da Spannendes gibt. 😂

Wie dem auch sei: Mein Tag neigt sich dem Ende zu. Und ich bin gespannt, was mich morgen erwartet. Heute ist zwar die Reise gestartet – aber die richtige Wanderung folgt erst morgen. Es gibt viel zu entdecken.

Nun entspanne ich erstmal mit der Katze, die sich hier in meine Füße verliebt hat. Kein Scherz – davon gibt es Videos. Sie will glaube ich meine Füße heiraten. Immer diese Fußfetischisten…

Ich freue mich sehr auf die weitere Reise.

Bis morgen, euer Tristan.

P.S. Ich sag ja, eine Sache vergesse ich immer. In diesem Fall: Flip Flops.

Innenhof der Herberge in Porto

9. August 2020

Es ist 20 Uhr abends. Heute bin ich von Porto nach Vila do Conde gelaufen. Das Wetter lag den ganzen Tag über bei 19-21 Grad mit dicken Wolken und Niesel. In Düsseldorf waren es knapp 33 Grad bei Sonnenschein. Der Tag heute war irgendwas zwischen mittelmäßig und katastrophal. Aber meine Laune ist trotzdem recht positiv. 🙂

Wie kam es dazu?

Die Nacht habe ich vermutlich kein Auge zugetan. Obwohl wir nur zu dritt im Raum mit 12 Betten waren, hat man jedes Knarzen des Bettes gehört. Und ich war zu faul, um meine Ohrstöpsel aus dem Schließfach zu holen.

Nachdem ich gegen 6:40 Uhr aufgestanden bin (40 Minuten vor meinem Wecker) hat mich als erstes Pie empfangen – so habe ich die Katze genannt, welche sich den Abend über mit meinen Füßen vergnügt hat. Pie heißt auf Spanisch „Fuß“. Passt ganz gut denke ich. Zumal Pie mich (bzw. meine Füße) nicht hat gehen lassen, bis ich versprochen habe, dass ich am 18. August wiederkomme und für eine Nacht bleibe. Am 19. geht nämlich mein Flieger von Porto zurück nach Köln/Bonn. Glücklicherweise ist sie dann mit einem Fauchen abgehauen. Katzen sind schon schlau. Und manchmal etwas unheimlich.

Als ich dann los bin, habe ich noch im Hinterkopf gehabt, wie ich am Vorabend zu einem Pilgerer (dessen Name mir leider entfallen ist) gesagt habe: „I think tomorrow will be very exhausting for me“ (Übersetzt: Ich habe das Gefühl morgen wird sehr anstrengend für mich). Leider wusste ich nicht, wie recht ich hatte.

Am Ende meines Tages habe ich 53.000 Schritte bei 39km und 8h Laufzeit (1h Pause). Gegen 17:30 Uhr bin ich angekommen. Mir tut gefühlt alles im Unterkörper weh. Hüfte, Wade, Knie und Füße. Kein Wunder, wenn man die längste Strecke des Weges direkt an den Anfang legt. Solltet ihr also mal den Küstenweg des Caminho Portugues machen – dann bleibt am besten in einer der Herbergen vor Vila do Conde.

Und obwohl es bewölkt war, habe ich mir zusätzlich noch einen Sonnenbrand eingefangen. Ich höre noch die Stimme meiner Freundin in meinem Kopf, wie sie sagte: „Aber nimm die Sonnencreme mit!“ Nope, so bin ich leider nicht. In dem Fall lasse ich es drauf ankommen. Aber jedem das Seine. Ich muss jetzt mit dem Sonnenbrand leben.

Unterwegs habe ich leider nur drei Pilgerer gesehen, wobei ich mich nur mit einem länger unterhalten habe. Mit Chris, einem Vertriebler aus Stuttgart. Er wirkte ganz sympathisch – wir hatten jedoch unterschiedliche Pläne und haben uns dann getrennt. Sei‘s drum. Man sieht sich eh immer wieder. Schade nur, dass hier so wenig los ist.

Die Strecke von Porto bis nach Vila do Conde sieht überall relativ ähnlich aus. Strand, Holzsteg und viele Bars. Das Flair Portugals kommt so richtig durch. Mich konnte nichts davon abhalten, meine Füße ins Wasser zu stecken. Ich wäre auch noch reingesprungen, wenn mir nicht alles wehtun würde. Also hoffentlich morgen.

Zum Schluss bei der Ankunft dann die letzte schlechte Nachricht des Tages: Alle Herbergen sind entweder wegen Corona geschlossen oder voll. Also, dann ein Einzelzimmer für 40€. Sind immerhin 30€ über dem Budget, aber dafür eine ruhige Nacht. Und was Billigeres gab es eh nicht mehr.

Was mich heute froh gestimmt hat war, dass ich mit dem Schreiben angefangen habe und auch direkt einige Impulse hatte. Ich hoffe dies mehrt sich über die nächsten Tage. Aber daran habe ich keinen Zweifel. Auch mit Qui-Gong würde ich gerne noch beginnen. Dafür habe ich mir speziell ein Buch mitgenommen, welches die Basics der chinesischen Energie-Heilkunst lehrt.

Abschließend findet ihr noch einige Bilder von meinem Weg. Es war teilweise wirklich ein atemberaubender Weg. Auch wenn es nicht mit dem traditionellen Weg, den ich letztes Jahr gegangen bin, zu vergleichen ist. Muss man aber auch nicht vergleichen. Beides hat seinen Charme.

Ich versuche mich nun noch ein wenig zu entspannen und bin in freudiger Erwartung, was noch in den nächsten 10 Tagen passiert.

Herzlich, euer Tristan.

Entspannendes Meeresrauschen von Caminho Português Costa.
Holzbrücke an der Küste Portugals (Lavra – Matasinhos).
Eine mit Steinen verzierte Häuserwand in Vila Châ.
Mit vielen Blumen verzierter Platz in Vila do Conde.

10. August 2020

Wow, was ein Tag. Ich glaube, dass war der anstrengendste Tag meines Lebens – mit Ausnahme von meinem Geburtstag. 😂

Aber heute war tatsächlich ein unglaublicher Leidenstag für mich. Direkt nach dem Aufwachen hatte ich die blendende Idee, weil ich ja nicht wollte, dass die Herbergen nochmal überfüllt sind, ein Albergue (so heißen die Herbergen hier) online zu reservieren. Entgegen der Meinung von Pilgerführern halte ich das für eine valide Option, denn keiner will am Ende ohne Bleibe dastehen oder einen immens hohen Preis zahlen.

Aber wenn man reserviert, dann mit Köpfchen. Die heutigen Schmerzen in den Füßen und Hüfte sind allein auf meine Naivität zurückzuführen, dass ich dachte, ich könne von Vila do Conde nach Viana do Castelo an einem Tag laufen. Sind ja nur 50km. Also, was haben mir jugendlicher Leichtsinn und und ein zu starker Kämpfergeist am Ende eingebracht?

Es tut so weh, wie es aussieht.

Meine Strecke war noch geprägt von den Schmerzen von gestern. Das war etwas schade, weil ich so die Küste, die Städte und die Grünflächen nicht so sehr genießen konnte, wie ich gewollt hätte.

Lustige Sidefacts am Rande: 50km Gehen ist eine olympische Disziplin. Der Rekordhalter ist diese Strecke in unter 4:30h gegangen! Ich habe für fast 67km von morgens 7 Uhr bis abends 21 Uhr gebraucht. Mit 2 Stunden Pause (ich habe aber vermutlich weniger gemacht) wären das knapp 10 Stunden! Und ja, es tut sehr weh anderthalb Maratons zu gehen ohne Training. Bitte nicht nachmachen… 😉

Auch Viana do Castelo habe ich nur einige Minuten gesehen, da ich erst gegen 8 Uhr angekommen bin und dann direkt noch zum nächsten Supermarkt musste, weil ich keinen Proviant mehr hatte.

Ihr könnte euch sicherlich vorstellen, wie erschöpft ich bin. Daher werde ich einfach eine kurze Pro und Contra Liste zusammenstellen, was an diesem Tag positiv und negativ war.

Positiv:

  • Das Meeresrauschen, das perfekte und nicht zu heiße Wetter (17-22° bei Niesel, Wolken und am Ende des Tages Sonne) und der portugiesische Charme kleiner Ortschaften haben mir den Tag verbessert
  • Unterwegs habe ich ab Vila do Conde mehr Schilder gesehen, was mir sehr bei der Orientierung geholfen hat
  • Ich habe die Pilgerer Jùlio (aus Spanien) und Hannah (aus Ägypten) kennengelernt. Beide leben seit einem Jahr in Madrid (klein ist die Welt oder?). Ich konnte mich mit ihnen gut über gemeinsame Erfahrungen austauschen, wie das Meditieren und Ayahuasca-Zeremonien. Da die beiden aber etwas geschlendert sind, bin ich dann nach knapp einer Stunde schnell weitergezogen.
  • Ich konnte viel Inspiration sammeln
  • Ich bin über mich und meine Grenzen hinausgewachsen
  • Der Glücksmoment, als ich das Ziel erreicht habe, war unbezahlbar
  • Ich habe nun alleine ein Mehrbettzimmer. Es sind nur vier andere Pilgerer hier. Also, ich freu mich auf den Schlaf und darauf, die Schmerzen zu vergessen 😴

Negativ:

  • Ich Mein Körper schmerzte noch vom Vortag und brennt nun wie Hölle. Ich kriege kaum ein Bein hoch – habe aber keine Blasen… immerhin 😁
  • Ich habe mir viel zu viel für diesen Tag vorgenommen und konnte dann nicht nachgeben und vor Viana do Castelo übernachten. Zu viel Ehrgeiz – kann positiv aber auch negativ sein. In diesem Fall negativ.
  • Unterwegs überkamen mich Gefühle, dass dieser Weg nie aufhören würde. Das hat mich sehr niedergeschlagen gestimmt.
  • Der Jakobsweg hat viel zu viele Abzweigungen genommen, die nicht hätten sein müssen. Kultur schön und gut – aber in diesem Fall hat es mir nichts gebracht außer Schmerzen. Vielleicht hätte ich mich schon früher (vor Anha) mit Google Maps lotsen sollen.
  • Die 200 Treppenstufen auf dem Berg kurz vor dem Ziel und das Nicht-Finden der Herberge (weil sie von außen aussieht wie eine Garage) haben mir dann den Rest gegeben.

Ich verabschiede mich heute mit einigen Bildern vom Weg und einem: Ich bin dankbar für diesen Tag – auch wenn er über alle Maßen astrengend war.

Jakobsweg-Schild auf dem Holzsteg an der Küste von Póvoa de Varzim.
Beschilderung für die Strecke (Luftlinie) zu verschieden Orten in Mar.
Endlich: der Blick auf Viana do Castelo.

11. August 2020

12. August 2020

13. August 2020

14. August 2020

15. August 2020

16. August 2020

17. August 2020

18. August 2020

19. August 2020

Fin

„Durch Meditation über die wahre Natur des Geistes reinigen wir störende Gedanken und Gefühle.“

Dalai Lama

Der Ursprung des Wortes Meditation liegt in den Begriffen meditari (Latein) und medomai (Griechisch). Beides bedeutet übersetzt etwa nachdenken oder nachsinnen.

Meditation ist eine Übung für Körper und Geist, die seit langem zur Steigerung der Ruhe und körperlichen Entspannung, zur Verbesserung des psychischen Gleichgewichts, zur Bewältigung von Krankheiten und zur Verbesserung der allgemeinen Gesundheit und des Wohlbefindens eingesetzt wird. Seit Jahrtausenden werden Körper- und Geistesübungen kulturell genutzt. Dazu gehören beispielsweise:

  • Advaita Vedanta (die Philosophie der Upanishaden) dient zur Reflektion und Reinigung durch Techniken wie Neti Neti (Negierung des Nicht Selbst), Itti Itti (Verbindung mit dem ganz Großen) oder Atma Viccharana (Selbsterforschung)
  • Yoga-Lehre (Indische Philosophie & Lehre, von Sanskrit योग, zusammenbinden) beschreibt geistige Konzentration durch körperliche, meditative Übungen – es werden verschiedene Yoga-Techniken verwendet, wie etwa Kundalini-Yoga, Mantra-Yoga oder Raja-Yoga
  • Buddhismus, Hinduismus, Taoismus: Mediation als Weg zur Erleuchtung, Erkenntnis und Gesundheit
  • Christentum: lat. contemplatio, wie auch Martin Luther erwähnte, zur geistigen Klärung und Erlangung eines achtsamen Bewusstseinszustandes
  • Wissenschaftliche Studien und Theorien sehen Vorteile der Meditation in Prävention und Therapie von Krankheiten, in der Verbesserung der Resilienz (psych. Widerstandsfähigkeit), der Stressbewältigung, Achtsamkeit, Konzentration sowie beim Lernen.

Wie die Mediation konkret aussehen kann, ist sehr individuell und dient dem Zweck, mit dem meditiert wird. Da bei der Meditation ein Raum geschaffen wird, in dem keine Gedanken, sondern hauptsächlich Gefühle gelebt werden sollen, sind diese auch für den Ausgang der Meditation entscheidend. Vorher ist es somit sinnvoll zu klären, warum meditiert wird und welche Techniken hierfür hilfreich sind.

Möchte ich Erleuchtung erfahren? Dann könnte die buddhistische Lehre helfen.
Möchte ich den Alltagsstress verarbeiten? Dann versuche den taoistischen Ansatz.
Möchtest zu mehr Gesundheit gelangen? Dann erlerne die wissenschaftliche Praxis.

Meditation bietet Chancen für jeden Menschen, der bewusst nach innen schauen möchte. Besonders in der westlichen Zivilisation wird uns der nach außen gerichtete Blick immer mehr zum Verhängnis. Anstatt uns auf Selbst-Liebe und Selbstbewusstsein zu konzentrieren, suchen wir nach Anerkennung und Belohnungen. Anstatt in uns Ruhe und Frieden zu stiften, versuchen wir dafür in der Welt dafür zu kämpfen. Mit erheblichen Folgen.

Ich möchte dich also dazu einladen, dein Ich kennenzulernen. In der Schule wird dies nicht beigebracht. Also ist es nun deine Aufgabe. Aber was könnte schon spannender sein, als sich selbst neu zu entdecken? Wie viele Facetten das Selbst wohl hat…

In jedem Falle freue ich mich, dass mehr Menschen zur Meditation gelangen. Durch die Praxis der Meditation habe ich viele Erkenntnisse und Einsichten haben dürfen. Und dazu musste ich mich nicht unbedingt im Schneidersitz hinsetzen und die Stille suchen (auch wenn ich es empfehlen würde). Ihr könnt auch eine Meditationsführung ausprobieren, wie diese hier:

Ich freue mich, wenn meine Blogartikel und Podcastfolgen dir gefallen. Wieso abonnierst du nicht meine Seite, mein Instagram oder Facebook? @tristanstrivium @denkmalpodcast

Danke und bis bald.

Herzlich,
Tristan.

(Am Ende des Blogartikels werden die entsprechenden Podcast-Folgen aufgeführt)

Es gibt wieder eine neue Rubrik im DENKMAL Podcast! Da uns zunehmend bewusst wird, wie wichtig das Thema Nachhaltigkeit ist, konnten wir nicht länger still bleiben. Wenn ihr wüsstet, was wir geplant haben… Es kribbelt uns in den Fingern!

Das spannende an DENKMALnachhaltigkeit ist, dass wir hauptsächlich Gäste in unsere Show einladen, die etwas zu diesem Thema sagen werden. Wir versuchen uns bestmöglich zurückzuhalten, um Menschen die Chance zu gewähren zu sprechen, die etwas mit dem Thema am Hut haben. So können dann spannende Gesprächsrunden entstehen, bei denen auch wir selbst neues lernen dürfen.

Dreh- und Angelpunkt unserer Rubrik ist dabei das von der Agenda 21 genutzte Dreieck der Nachhaltigkeit: Sind Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt im Einklang, so können wir zukünftigen Generationen dieselben Chancen bieten, die wir heutzutage auch haben.

Leider ist das mit der Nachhaltigkeit nicht immer so einfach… Okay, ich korrigiere mich: Es wäre einfach, aber der Kurs, den die Menschheit im letzten Jahrhundert gefahren ist, hat durch die zunehmende Gewöhnung an einen bewegungsarmen, globalisierten, teilweise ignoranten und sicherheitsfanatischen Lebensstil zur zunehmenden Ausbeutung und Zerstörung der Umwelt geführt. Allen voran ist dabei die Wirtschaft, welche unentbehrlich ist, um diesen Lebensstil aufrechtzuerhalten. Man kann sich dabei folgende Kausalkette vorstellen:

  1. Ängste, Sorgen und Nöten schaffen
  2. eine Sehnsucht nach Sicherheit, welche sich in einem
  3. veränderten Lebensstil zeigt.
  4. Dieser Lebensstil eliminiert jede Art von Gefahr und
  5. konzipiert somit eine Realität, in der „Schlechtes“ vermieden werden soll.
  6. Die Verbannung hat jedoch automatisch eine Rückkopplung („backwards law“ vgl. den Philosophen Alan Watts) zur Folge: Je mehr wir nach Positivität streben, desto mehr Negativität erreichen wir.

The desire for a more positive experience is itself a negative experience. And, paradoxically, the acceptance of one’s negative experience is itself a positive experience.“ ―Mark Manson

Dies lässt sich auch sehr gut anhand natürlicher Phänomene nachweisen. In meinem Buch Odyssee im 21. Jahrhundert schrieb ich, dass die Dualität die Lebensgrundlage für das Erleben unserer Wirklichkeit darstellt. Wer nicht zwischen Licht und Dunkelheit unterscheiden kann, nicht zwischen Links und Rechts oder zwischen Gefahr und Sicherheit, der kann gar nicht erst wahrnehmen. Diese Differenzierung muss analog sowohl im Körper als auch im Geiste geschehen. Die Unterdrückung von einem der beiden Pole hat automatisch dessen verstärkte Wahrnehmung zur Folge (natürlich bis hin zum Tod… aber auch hier: Führt das sich wehren und die fehlende Akzeptanz gegenüber dem Tod nicht auch irgendwann zu eben jenem?)

Wenn wir Leid nicht wahrnehmen, so unterdrücken wir auch unsere Freude. Der sinuskurvige Verlauf von Gegensatzpaaren in unserem Leben spiegelt sich sogar in unserem Herzschlag wider. Das Herz kann nur dann ausschlagen, wenn es auch einen Negativausschlag gibt. Damit werden Gegenteil unentbehrlich füreinander und bedingen sich in ihrer Existenz.

So ist es auch in der Natur & Umwelt: Wollen wir nicht wahrhaben, dass wir Lebewesen sind, die aus der Natur stammen, so versuchen wir die Natur zu unterdrücken und auszubeuten – mit grässlichen Folgen. Ob Naturkatastrophen, Umweltzerstörung (wie im Amazonas), Landschaftsvernichtung (Atombomben), Übernutzung der landwirtschaftlichen Böden (Erosion), erhöhtes Müllvorkommen in Ozeanen und Mikroplastik (plastic planet) oder Auslöschung von Tier- und Pflanzenarten. Der Eingriff des Menschen ist unfassbar und unschätzbar. Alles liegt in unserer Hand – aber wir können erst dann etwas ändern, wenn wir akzeptieren, dass alles auf der Welt ein Teil von uns ist.

Ja, wir brauchen Wirtschaft um eine Existenzgrundlage zu haben. Ja, wir brauchen die Umwelt als Fundament für das Überleben. Und ja, wir brauche die Gesellschaft als Basis für Harmonie, Hoffnung und Liebe. Ich hoffe, dass durch die noch folgenden Interviews klar wird, dass jeder Mensch seinen Beitrag auf einer Mikroebene leisten kann, um auf der Makroebene Veränderungen herbeizuführen. Außerdem würde ich mich riesig freuen, wenn euch die Podcastfolgen, aber auch die Gäste, gefallen und inspirieren.

Mit besten Wünschen

Tristan Nolting.
Autor & Podcaster

Folge uns auf: @tristanstrivium @denkmalpodcast

Kommunen als Modell zur spirituellen Weiterentwicklung – Ist das möglich?

Diese Frage wurde mir bereits öfter gestellt und konnte nach einer logischen Argumentation vom Fragenden stets mit „Ja“ beantwortet werden. Vorstellbar ist es aufjedenfall, denn Kommunen gab es sogar schon in Deutschland, Israel (Kibbuzz) und vielen weiteren Ländern.

Problematisch wurde dieses Gesellschaftsmodell häufig nur, da, wie Henry Near es beschrieb, die Bewohner eine solche Euphorie gegenüber dem Kommunenleben entwickelten, dass sie ihre eigene Weiterentwicklung vergessen haben. Und das ist etwas, was auch ich unterschreiben kann:

Zu leben heißt, sich ständig anzupassen und dazu zulernen. Es gibt kein perfektes Gesellschaftsmodell, aber es gibt welche, in denen die Voraussetzungen günstig sind, um sich auf seine spirituelle Arbeit zu fokussieren, die da heißt: Ich fördere meine Talente, Fähigkeiten und geistigen Gaben so sehr, wie die meiner Mitmenschen.

Allerdings eben nur meiner Mitmenschen – denn der Glaube daran, man müsse Verantwortung für jeden Menschen auf der Welt übernehmen, bürdet einem eine unglaubliche Last auf, der dann von der Kirche durch die „Erbsünde“ noch die Krone aufgesetzt wird.

Mein Apell also: Sei freundlich zu deinen Mitmenschen und sie werden es auch zu ihren Mitmenschen sein. Wir sind alle ein riesiges Netzwerk, das darauf wartet aktiviert zu werden!

Im Folgenden möchte ich einen Textausschnitt einbringen, der die Kraft der Liebe und der Freundlichkeit unterstützt und aufzeigt, dass nur durch ihre Art ein zwischenmenschlicher Austausch angeregt werden kann, der die Harmonie in der Welt wiederherstellt. Kriege, Katastrophen und Elend haben die Liebe rar werden lassen, aber nie verschwinden lassen. Darum gib acht auf sie, denn sie ist das metaphorische Stützrat am Fahrrad deines Lebens.


Die wahre Bedeutung der Kommunion:

Frieden entsteht durch spirituelle Entwicklung

(Ab Seite 56)

[…] Das Wissen über diese Spielregeln des Lebens sind die Grundvoraussetzung, um Lösungen in der Welt zu schaffen, weil somit zum einen die Notwendigkeit erkannt wird, Fehler zu machen und aus ihnen zu lernen. Zum anderen wird durch sie ein Bewusstsein entwickelt, welches außerhalb rein materialistisch fixierter Konzepte und Begierden liegt. Das Wissen sollte immer dafür da sein, den eigenen Glauben zu hinterfragen und neu auszurichten. Die heutige Welt ist, durch den immer weiter voranschreitenden sprachlichen Verfall, die mediale Blindheit und das Ausbleiben kritischer Reflexion, in ihren spirituellen Grundfesten tief erschüttert. Spiritualität ist nicht frei von Wissenschaft, beide ergänzen sich, wie auch der Anthroposoph Rudolf Steiner versuchte, über das eigene Wissen in Bezug auf den Glauben aufzuklären. Anstatt den Frieden und die Einigkeit zwischen Glauben und Wissen herzustellen, wird seit ewiger Zeit ein fataler Kampf des Irrglaubens über die Separation beider Elemente geführt. Nur spirituelle Selbsterkenntnis und die damit verbundene Weisheit über die Gesetzmäßigkeiten dieser Welt können diesen Krieg beenden und Frieden zwischen den Menschen schaffen.

Dieser Frieden wird dann realisierbar, wenn sich der Mensch, heute vornehmlich als Bürger eines Systems erzogen, auf seine Grundzüge und Ursprünge besinnt und nicht nur aus seiner Vergangenheit lernt, sondern die gemeinschaftliche Kultur in die Zukunft trägt und sich seine tief spirituelle Natur außerhalb des materiellen Denkens erhält. Alle Ablenkungen der äußeren Welt, egal welcher materiellen Ideologie angehörend, können den Menschen nicht auf den Pfad der Erkenntnis führen. Jede technische Erweiterung und Erfindung, jede sinnlose, auf das Denken beschränkte und von den Sinnen abweichende, Berufung, jeder weitere Versuch Kontrolle über das Leben zu erlangen, führt nur weiter in die Vereinsamung, Abhängigkeit und Krankheit. Es bleibt also auch logisch erkennbar gar nichts anderes übrig, als sich dem heutigen System mit all seinen Rechten und Verpflichtungen zu entziehen, denn es ist lediglich auf eben jene aufgeführten Eigenschaften ausgelegt. Auch hier bedarf es keiner Quelle, denn die Unzufriedenheit über die gesundheitliche, arbeitstechnische und gemeinschaftliche Situation zeigt sich jeden Tag in dem Verhalten der Menschen, die in den Städten arbeiten und leben. Wie oft begegnen uns strahlende Menschen, die glücklich darüber sind, dass sie arbeiten dürfen, in Bio-Supermärkten einkaufen können und Zeit mit ihren Liebsten verbringen können? So viel, wie dies an Wertschätzung aufzuwiegen wäre, würde ich dies nicht einmal von mir selbst behaupten können. Denn Wertschätzung kostet Kraft. Eine Kraft, die wir nie erlernt haben. Dabei sollte aber das höchste Gut der universellen Zufriedenheit nicht missverstanden werden, denn die Unzufriedenheit über die jetzige Situation ist notwendig, um uns überhaupt in Bewegung zu setzen und unser Verlangen zu befriedigen. Wenn alles immer in göttlicher Reinheit und Wonnewäre, wie wir es uns tief innerlich in unserer Wertschätzung wünschen, dann hätten wir keinen Grund, uns von der Stelle zu bewegen. Hierbei geht es vor allem um die Ausgeglichenheit beider Pole und die Wertschätzung, die es benötigt, alle Facetten des Lebens, ob Freude oder Leid, kennenzulernen, zu ertragen und dann zu lieben. Wenn Ausgeglichenheit herrschen würde, würden wir kein spannungs- und emotionsgeladenes Feld politischer Positionen in Demonstrationen, verwahrloster Käufer und unbedachter Drogenkonsumenten vorfinden, explizit in Städten und Metropolen, sondern wir wären umgeben von wohlwollenden, sich selbst verpflichteten Menschen, die ihre Liebe zu sich selber anderen Menschen weitergeben können, indem sie das Vertrauen und die Wertschätzung der Gemeinschaft durch verschiedene friedliche Veranstaltungen stärken. Ganz ohne Diskussionen, sondern durch gegenseitiges Verständnis. Daran anknüpfend würden auch alle umwelttechnischen Probleme wie von selbst verschwinden, denn die nun stark werdende Unterstützung in Kombination mit der Kenntnis über die unheimliche Kraft der Natur, die sich ohne zu fragen um unsere Selbsterhaltung kümmert, löst eine tiefe Wertschätzung und Achtung in uns aus. Doch wie soll der Mensch aus der Unzufriedenheit finden, wenn er in der Stadt jeden Tag mit eben jener konfrontiert wird? Aus der Verwahrlosung allein hinauszufinden ist wie, als würden wir ohne Arme und Augen den Ausweg aus einem Spiegelkabinett suchen. Unsere Anpassung an das heutige System macht es uns wahrlich sehr schwer, dem Leid zu widerstehen und unser inneres Glück zu finden. Darum lieben wir es auch, uns gegenseitiges Mitleid zu schenken. Es erscheint schwer den Ausweg zu finden und dennoch ist es nicht unmöglich, denn Trost zu spenden ist etwas, wofür wir immer Energie haben. Was würde passieren, wenn wir unsere Trost-Energie sinnvoller nutzen würden?

Buch von Tristan Nolting, Tredition (10€), ISBN: 978-3-347-03633-8